Rassismusvorwürfe gegen KSC-Fans

Zur aktuellen Berichterstattung und Diskussion in den sozialen Medien, haben „Blau-Weiss statt Braun e.V.“ und die „Supporters Karlsruhe 1986 e.V.“ eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht: 

Im Rahmen der bundesweiten Berichterstattung und in den sozialen Netzwerken wird, rund um das Zweitligaspiel zwischen unserem Karlsruher SC und dem Hamburger SV, allen KSC-Fans unverhohlen rassistisches Verhalten vorgeworfen. Als Fan-Dachverband aller KSC-Fans wollen wir diesem Vorwurf scharf entgegentreten und entschieden zurückweisen. Wer pauschal, anhand des Spiels gegen den HSV, der Karlsruher Fankurve Rassismus unterstellt, hat sich nicht im Ansatz die Mühe gemacht, sich mit der Fan-Kultur in Karlsruhe auseinanderzusetzen. Die Karlsruher Fanszene setzt sich sehr stark für Menschlichkeit und Miteinander und gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus ein! Im Vergleich zu anderen Stadien waren bereits früh die erniedrigenden und im Stadionalltag damals üblichen „Affenrufe” und ähnliches aus der Karlsruher Kurve verbannt. Dies u.a. durch die Arbeit der im Jahr 2000 gegründeten Initiative „Blau-Weiss statt Braun e.V.” und der Courage von einzelnen Fans und Gruppen in den Blöcken. Es fand seitdem und bis heute immer eine kritische Auseinandersetzung mit Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung statt. In vielen Aktionen haben sich die Karlsruher Fußballfans klar positioniert. Wir sind Teil des Netzwerks „Karlsruhe gegen Rechts“ und unterstützen „!NieWieder“, die Initiative zum Erinnerungstag im Deutschen Fußball. Rückblickend, heute kritisch angemerkt, vielleicht oft zu leise und zu sehr im Hintergrund agierend, um öffentlich ähnlich stark wahrgenommen zu werden, wie dies nun der Fall ist. Dennoch, Aktionen wie die Teilnahme am Gegenprotest zum Naziaufmarsch „Tag der Zukunft” in Karlsruhe 2017, der Aufarbeitung der Fußballhistorie (u.a. Errichtung der Erinnerungsstele für Walther Bensemann) vor allem die Zeit während des Nationalsozialismus, mahnende Gedenkaktionen an den Holocaust (Gedenktag an Julius Hirsch) und unsere Spendenaktion „Bälle für Flüchtlinge”, sind nur ein Auszug aus dem sozialen Engagement. Vor allem bei den Spendenaktionen für Flüchtlinge wurden nicht nur Spenden von einem überwältigten Großteil der gesamten KSC-Familie gesammelt, sondern auch Jugendliche zu Spielen unseres KSC eingeladen, um unsere Leidenschaft für den Fußball zu teilen und mit ihnen auch in den Dialog einzutreten und Freizeit gemeinsam zu verbringen. So war und ist man sich in der Karlsruher Kurve einig, nur mit Akzeptanz, Beteiligung und Einbindung in unseren Alltag ist der Weg für eine Integration von Menschen möglich. Und hierfür bietet sich der Fußball an! Denn dieser verbindet, über Nationen und Grenzen hinweg. Auf dem Platz und auf den Rängen werden Menschen jeglicher Herkunft, jeglichen Glaubens eine verschworene Gemeinschaft, ein Team, eine Mannschaft die zusammenhält und die ein gemeinsames Ziel erreichen will.

Was war nun passiert?

Bereits im Vorfeld des Spiels war uns klar, dass der Spieler Bakery Jatta je nach Spielausgang in den Mittelpunkt der Diskussion rücken wird. Wir haben daher bereits im Vorfeld mahnend in unserer „BLOCKSCHRIFT” – unser zu jedem Heimspiel, im Stadion ausgelegten Mitteilungsblatt – auf die Situation um den HSV und Bakery Jatta hingewiesen.

Ein Auszug:

„Nun kommt es heute aber auf der Wildpark-Baustelle (die „alte Gegengerade” verschwindet sichtbar) erstmal zu einer Revanche. Der HSV ist erneut zu Gast bei uns in Karlsruhe. Ein traditionsreiches Duell, keine Frage. Ein brisantes, seit dem geklauten Relegationsspiel, obendrein. Ein emotionales Spiel erwartet uns. Auf den Rängen und auf dem Platz.Wir haben die Chance, einen Beitrag dazu zu leisten, dass es auch in dieser Saison, keinen Selbstläufer für den Sportverein gibt. Ihnen und allen anderen zu zeigen, dass in der 2. Bundesliga alles möglich ist. Und viel wichtiger, wir können mit der richtigen Einstellung drei weitere wichtige Punkte für den Klassenerhalt und gegen den Abstieg auf unserem Konto gutschreiben. Nebenbei, die drei Punkte sollten im Spiel gegen den HSV durch eine sportliche (Glanz-) Leistung auf dem Platz und keinesfalls durch eine Protestnote am grünen Tisch eingefahren werden! Eine mögliche Niederlage somit an einem einzigen Spieler, dessen Herkunft augenscheinlich unklar ist, festzumachen ist keinem Fußballverein – auch nicht unserem KSC – würdig! Fußball verbindet, über Grenzen und Nationalitäten hinweg und vor allem sollte er auf dem Fußballplatz und nicht vor dem – sowieso fragwürdigen – Sportgericht entschieden werden!”

Im Laufe der Begegnung führte, aus Sicht vieler im Stadion, unsportliches Verhalten (Schwalbe) von Jatta zu Missmut seitens der Fans. Pfiffe waren seitdem zu hören. Pfiffe, die es so auch gegen andere Spieler gab und geben wird. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass viele die Schiedsrichterleistung aus dem Relegationsspiel vor Augen haben und der Schiedsrichter in dieser Partie außerdem recht früh einen durchaus fragwürdigen Elfmeter gegen den KSC gepfiffen hat, war der Emotionen Bann gebrochen. Nun gehören Pfiffe gegen Spieler, Schiedsrichter und gegnerische Fans durchaus zu einem Fußballspiel. Sind sie auch Teil der Emotion in einem Stadion. Wobei man hier durchaus, ob Pfiffe fair oder unfair sind, geteilter Meinung sein. Fakt ist aber, dass Pfiffe in allen Stadien weltweit üblich und akzeptiert sind. Wer das begreift, dem wird schnell klar, dass hierbei die Hautfarbe, Herkunft oder Religion keinen wesentlichen Grund dafür ist, weshalb ein ganzes Stadion in ein Pfeifkonzert übergeht.

Es wäre natürlich vermessen zu behaupten, unter den 15.000 Zuschauern wären nicht auch solche, die eine andere Auffassung in sich tragen, als die Werte für die wir alle einstehen und die den Fußball zu dem machen, was er ist: Ein verbindender (Mannschafts-)Sport über alle Grenzen, Herkünfte und Religionen hinweg. Stellt doch das breite Publikum in einem Stadion auch ein Spiegelbild der Gesellschaft dar. Den wenigen, die in das Pfeifkonzert eingestimmt haben um ihre persönliche Unzufriedenheit aufgrund der Tatsache das es sich bei Bakery Jatta um einen ehemaligen Flüchtling und Menschen mit anderer Hautfarbe handelt, sei mehr als deutlich gesagt, dass ihr Hass und ihre eingeschränkte Sicht- und Denkweise keinen Platz in unseren Kurven haben und wir jeden Fan auffordern, sich diesem Gedankengut im Block entgegen zu stellen!.

Was muss nun passieren?

  • Wir fordern den Fußballverband auf, die Causa Jatta für beendet zu erklären! Der Verband hat gegenüber seinen Vereinen und Spielern eine gewisse Fürsorgepflicht, der es nun nachzukommen gilt. Wir sind uns einig, dass aber am Ende die Entscheidung nur für den Spieler fallen kann! Muss man doch klar anerkennen, dass es sich bei Bakery Jatta um einen Fußballspieler handelt, der – egal wie alt er nun wirklich ist, oder woher er auch immer kommen mag – seinen Job erledigt und dies so, dass er auch für den Karlsruher SC eine Bereicherung als Spieler wäre.
  • Wir fordern außerdem den Karlsruher SC dazu auf, die auf dem Platz eingefahrene sportliche Niederlage anzuerkennen und keinen Protest gegen die Spielwertung einzulegen. Wir würden es vielmehr begrüßen, wenn unser Verein als Beispiel vorangehen und dadurch vielleicht einen Beitrag dazu leistet, die Sache im Interesse und im Sinn des Fußballs zu beenden.
  • Für uns ist es weiterhin ein Ansporn, uns für die Menschlichkeit, den Gemeinschaftssinn und gegen Diskriminierung auch im Fußballstadion und dessen Umfeld einzusetzen. Wir laden jeden Fußballfan dazu ein, sich gemeinsam mit uns, kritisch mit diesem gesellschaftlich wichtigen Thema auseinanderzusetzen.

Und sollte Bakery Jatta sich durch die Pfiffe im Wildparkstadion persönlich angegriffen, ausgegrenzt oder diskriminiert fühlen, so möchten wir uns im Namen aller fairen Fußballfans aus Karlsruhe entschuldigen. Es war ein sportlich anspruchsvolles, brisantes und hochemotionales Spiel, bei dem am Ende aber keinerlei rassistisches Gedankengut ausschlaggebend für irgendwelche Zuschauerreaktionen war.

Fußball verbindet – über Grenzen hinweg! Davon sind wir tief überzeugt.