Pyrotechnik? Teil der Fankultur!

Pyrotechnik ist kein Verbrechen! Der Fußball lebt von seinen Fans, deren Leidenschaft und Emotionen. Durch Pyrotechnik lässt sich die „Gegengerade“ in ein Meer aus Farben verwandeln, Emotionen verstärken, oder auch Choreographien untermalen. 

Pyrotechnik ist fester Bestandteil sowie ein unverzichtbares Mittel der Fankultur, die wir auch in Karlsruhe von Spieltag zu Spieltag leben. 

Die aktuelle Gesetzeslage, aber auch die DFB-Richtlinien verbieten jedoch das Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen und somit auch einen Bestandteil der Fankultur. Die öffentliche Debatte wird zwar dauerhaft geführt, ist aber meistens nur einseitig und nicht differenziert genug beleuchtet. 


Versuch einer Definition:
Was ist Pyrotechnik?

Um einen Einblick in die Materie zu bekommen, gilt es zu klären was pyrotechnische Gegenstände sind: 

Laut §3(1) Nr. 2 des Sprengstoffgesetzes (SprengG) sind pyrotechnische Gegenstände solche, die „Vergnügungs- oder technischen Zwecken dienen und in denen explosionsgefährliche Stoffe oder Stoffgemische enthalten sind. Sie sind dazu bestimmt, unter Ausnutzen der in ihr enthaltenen Energie, Licht-, Schall-, Rauch-, Nebel., […] oder Bewegungswirkung zu erzeugen.“

Pyrotechnische Gegenstände sind also nichts anderes als solche, wie jedes Jahr an Silvester abgebrannt werden. 


Rechtliche Grundlage.

Pyrotechnische Gegenstände dürfen gemäß §22(1) des 4. Gesetz zur Änderung des Sprengstoffgesetz (SprengÄndG) lediglich im Silvesterzeitraum benutzt werden und sind außerhalb dieses Zeitraums verboten. Es können zwar Sondergenehmigungen eingeholt werden, allerdings nur unter der Bedingung Dritte vor Gefahren für Leben, Gesundheit und Sachgüter zu schützen und keinen der Versagegründe zu erfüllen (§8 Abs. 1 (1) (2) SprengG). Diese Bedingungen seien im Stadion bei einem Fußballspiel nicht gegeben, weshalb das Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen verboten ist, so die zuständigen Rechtsbehörden. Darüber hinaus untersagen die DFB-Sicherheitsrichtlinien und somit auch die Stadionordnungen die Benutzung von Pyrotechnik. 


Die Fakten.

Ligaübergreifend wird Pyrotechnik als wichtiger Teil der Fankultur genutzt. Aufgrund der nicht vorhandenen Legalisierung, werden Rauchtöpfe oder Fackeln in Fanblöcke geschmuggelt, um diese unerkannt (vermummt, oder zum Schutz unter Blockfahnen) zu zünden. Dies ist nicht immer ungefährlich, aber dennoch kommt es durch interne Regulierungen der Kurve kaum zu Verletzungen.

In der abgelaufenen Spielzeit 2018/2019 gab es beispielsweise in der 1. Bundesliga fünfmal so viele Verletzte durch die Polizei, als durch Pyrotechnik (10 Verletzte durch Pyrotechnik, 53 Verletzte durch Polizei – Quelle: Zis).

Im Jahr 2011 sprachen DFB und DFL mit Vertretern verschiedener Szenen aus ganz Deutschland über das kontrollierte Abbrennen von Pyrotechnik. Die Fanseite sagt, damals hätten die Verbände zugesagt die Vorschläge wohlwollend zu prüfen. Im Zeitraum des Dialogs wurde deutschlandweit auf die Nutzung von Pyrotechnik verzichtet. DFB und DFL brachen die Gespräch jedoch ohne die Nennung von Gründen, einseitig ab. „Die Sache sei leider aus dem Ruder gelaufen“, räumte der damals amtierende DFB Präsident Zwanziger ein. Selbst DFL-Chef Seifert sagt, dass DFB und DFL sich ziemlich unglücklich angestellt hätten. Die Verbände lehnen aber auch heute immer noch die Verwendung von Pyrotechnik im Stadion konsequent ab. Der DFB sieht die aktuelle Zunahme Verwendung von Pyrotechnik als „nicht zufriedenstellend“ und „besorgniserregend“ und wolle durch Präventivmaßnahmen die Benutzung eindämmen. Die Politik stellt sich ebenfalls konsequent dagegen, nennt dafür aber keine konkreten Argumente, lediglich der immer genannte Aspekt der Sicherheit. Auf der Innenministerkonferenz im November 2019 wurde die Prüfung für ein härteres Strafmaß beschlossen, Initiator hierbei Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU). Dieser fordert Freiheitsstrafen für das Abbrennen von Pyrotechnik. Auch unser Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl (CDU) unterstützt ein härteres Strafmaß und regte den Führerscheinentzug für Straftäter an. Sowohl die deutschen Verbände, als auch die Bundesregierung beharren weiterhin auf ihrer Meinung und sind zu keinem Kompromiss bereit. 


Unsere Wahrnehmung.

Pyrotechnik wird in der Öffentlichkeit und in den Medien oftmals mit Gewalt gleichgesetzt. Dabei gilt es deutlich zu differenzieren! Wir sehen keinen Zusammenhang zwischen kontrollierten Pyroshows in Fankurven und Gewalt sowie Hooliganismus. Wir wehren uns gegen eine derartige verantwortungslose Gleichsetzung und distanzieren uns von jeglicher Form von Gewalt. 

Pyrotechnik ist ein Ausdruck von Emotionen und Leidenschaft. Es ist eine Untermalung von genau dem, was Fußball so besonders macht und dass was für die auch öffentlich gelobte „südländische Atmosphäre“ sorgt. Was wäre Fußball ohne Emotionen und Leidenschaft? Würde der Fußball heute dass sein was er ist, wenn es keine Emotionen geben würde?

Im Nachgang zu pyrotechnischen Aktionen kommt es seitens der Fußballverbände zu Kollektivstrafen für die Fans, sowie zu hohen Geldstrafen für die Vereine. Hierbei vermissen wir eine transparente Kommunikation, sowie Einzelbewertung und keine Pauschalisierung verschiedener Vorkommnisse. Scheinbar erkannte Personen werden zum Teil mit Stadionverboten belegt und ihnen wird ihre Leidenschaft des Stadionbesuchs oftmals für Jahre genommen. Dabei werden Fußballfans neben dem eigentlichen Strafrecht zusätzlich bestraft, die Unschuldsvermutung außer Kraft gesetzt und vorverurteilt.

Ist diese Doppeljustiz des DFB gerechtfertigt? Und ist dass der Weg zu mehr Sicherheit in Deutschlands Stadien?

Der dabei entstehende Druck, welcher durch die finanzielle Belastung auf die Vereine ausgeübt wird, erfährt in nicht wenigen Fällen eine Weiterleitung an uns Fußballfans. Somit werden durch die Sanktionierung der Vereine, welche durch die Sportgerichtsbarkeit geschieht, verschiedene Drucksituationen auf ganze Fankurven ausgeübt. Diese sind nicht selten durch die Medien begleitet und kommentiert. Eine in diesem Zusammenhang durch die Verbände, aber auch die Medien versuchte Spaltung in „gute“ und „böse“ Fußballfans wird auch von uns so nicht hingenommen! Fußballfans für vermeintliches „Fehlverhalten“ in Regress zu nehmen wurde mit Hilfe des DFB schon in die Praxis umgesetzt. Dies wurde 2014 im Rahmen eines „9-Punkte-Plans“ schriftlich fixiert. Ob es sich dabei um einen ersichtlichen Rahmen für Vereinssanktionierungen, Rechtssprechungen für die Weitergabe von Regressstrafen oder die Hinnahme von Existensverlusten geht wird von den Verantwortlichen außen vor gelassen. 

Wir bagatellisieren keine Situationen die dem Fußball, auch nach unserer Sicht, Schaden zufügen. Uns stellt sich aber die Frage nach welcher Definition Verbands- und Vereinsfunktionäre Situationen als schädlich bezeichnen? 


Unser Fazit.

Wir sind uns den Risiken bewusst, die der Einsatz von Pyrotechnik mit sich bringen kann. Doch durch Schaffung von kontrollierten Rahmenbedingungen und gemeinsam  von Vereinen, Verbänden und Fans erarbeiteten Sicherheitsrichtlinien auf ein Minimum reduzierbar. Dafür müssen sich die Verbände auf einen Dialog einlassen und ihre strikte Ablehnung ablegen, damit sie den Sachverhalt objektiv betrachten können und gemeinsam mit allen Akteuren eine einvernehmliche Lösung schaffen. Nur ein Dialog bei dem alle Akteure gleichberechtigt miteinbezogen werden kann zielführend sein!

Pyrotechnik gehört „in die Hand“ und auf den Boden, keinesfalls in die Luft. Leuchtspuren sind ebenso tabu, wie die „Entsorgung“ und bengalischen Feuern in den Stadioninnenraum, aufs Spielfeld oder in Nachbarblöcke. 

Unter diesen Voraussetzungen sagen wir, die Supporters Karlsruhe 1986 e.V.: Pyrotechnik ist kein Verbrechen!


(Stand: Januar 2020)