Fankolumne – Heimspiel gegen Fürth
Als ich gefragt wurde, ob ich eine Kolumne zum nächsten Heimspiel schreibe, habe ich natürlich sofort zugesagt. Wie so oft ohne eine konkrete Idee, was ich denn eigentlich schreiben werde.
Gegen wen spielen wir? Fürth? Ja, okay. Wisst ihr auf die Schnelle, wie viele KSC-Spiele ihr gegen Fürth gesehen habt? Ich habe versucht mich zu erinnern, zweistellig ist es sicher. Im nächsten Moment verunsichern mich meine Gedächtnislücken – sind die Stadionbiere oder das zunehmende Alter Schuld daran, dass ich die Spiele nicht mehr alle zusammen bekomme?
Immer wenn das Schicksal die Franken und uns am 34. Spieltag zusammenbrachte, waren da große Momente: Bruno Labbadia schießt uns im letzten Einsatz seiner Karriere zum Klassenerhalt 2003. Oder denken wir an den letzten Zweitligatanz 2007 im Playmobilstadion, nach dem es im Anschluss zurück nach Karlsruhe zum Aufstieg feiern auf dem Marktplatz ging. Und natürlich der Klassenerhalt 2020 vor leeren Rängen in der Corona-Saison – die Rettung in der ersten Spielzeit unter Christian Eichner.
Dieses Jahr haben wir die Fürther allerdings an einem weitaus weniger wichtigen Spieltag zu Gast. Und dass der Gegner jetzt der Reizvollste der Liga wäre, möchte ich nicht behaupten. Während man sich zu Saisonbeginn auf manchen Auf- und Absteiger, auf Derbys und Hassduelle im Wildpark freut, weckt die Aussicht auf das Spiel gegen das Kleeblatt keine großen Emotionen. Es ist mittlerweile das meistgespielte Duell der zweiten Liga. Ein Superlativ der Langeweile.
Aus der Not könnte man das Spiel angesichts dieses Rekordes zum Traditionsduell verklären, aber ganz ehrlich, wir würden uns in die Tasche lügen.
Sollten wir nicht vielmehr die Schönheit suchen, die in der Ödnis unseres Aufeinandertreffens verborgen liegt? Mitten in einer Saison, in der zwischen Aufstiegsträumen und Abstiegsängsten nur wenige Wochen lagen. Nach all dem Auf und Ab, nach Hoffnung und Frust, hilft vielleicht ein bisschen Greuther-freies Fürth für die Seele, etwas Zweitliga-Routine für das empfindsame KSC-Herz? Spiele ohne Leiden! Lasst uns einfach das fünftausendste Spiel gegen die Spielvereinigung sehen, in dem es um fast nichts mehr geht. Es darf gerne so aufregend werden, wie der halbjährliche Reifenwechsel. Und können wir bitte einfach trotzdem gewinnen?
Peter Dittmann